Dipl.-Ing. für CV – Teil 3 – Studienabschluss und Jobsuche

16.02.2008

Fortsetzung der vierteiligen Beitragsserie…

Teil 1: Einleitung
Teil 2: Studium und Hintergrund
Teil 3: Studienabschluss und Jobsuche
Teil 4: Praktikum und Perspektiven

Studienende

Ich hatte mir bereits vor der Diplomarbeit vorgenommen, während selbiger Bewerbungen zu schreiben. Aus Zeitmangel kam es jedoch nicht dazu. Jedenfalls stand ich im Februar 2007 mit meinem Diplom fast wieder so ahnungslos da, wie nach dem Schulabschluss: Und nun?

Die Studentenzeit, die viel Freizeit bereit hielt, war zu Ende. Das Berufsleben stand als Ungeheuer direkt neben dem noch größeren Ungeheuer Arbeitslosigkeit. Wie sollte mein Leben weiter gehen? WAS und WO wollte ich arbeiten? Und auch: für WIEVIEL ((Wieviel: Die meisten Jobangebote forderten die Angabe einer Gehaltsvorstellung)) ?

Was?
Nun stand ich wieder vor dem Dilemma: was konnte mir dieses aufgedrückte Studium geben, an dem ich auch Freude haben würde? Das Interesse zog mich, nicht zuletzt durch meine Diplomarbeit, von der reinen Softwareentwicklung (Java ((Java: Die einzige Programmiersprache, die ich zu dem Zeitpunkt richtig gut beherrschte)) / J2EE ((J2EE: kurzgesagt wohl Webentwicklung mit Java, beherrsche ich aber (noch) nicht)) Developer ((Developer: das englische Wort für Entwickler/Programmierer)) ) weg, hin zur Webentwicklung (PHP / Flash Developer).

Wo?
Von vornherein war mir klar, dass ich gern im Osten bzw. im mitteldeutschen Raum bleiben wollte, auch wenn sich das massiv aufs Gehalt auswirken würde. Eine Einstellung, die so gut wie keiner meiner Kommilitonen nachvollziehen konnte oder wollte.

Wieviel?
Die allermeisten Jobangebote beinhalteten die Frage nach dem Gehaltswunsch, und ich wusste eigentlich noch nie so recht, was man da hinschreibt. Gerade Statistiken halfen in dieser Frage nicht wirklich weiter. Eine zu hohe Angabe ist fatal. Und unter Wert verkaufen will man sich auch nicht, zumal man auch nicht weiss, wie Firmen darauf reagieren…

Bewerbungen

Ich motivierte mich, durchsuchte wochenlang Jobbörsen / Suchmaschinen und druckte einige Hundert Jobangebote aus. Nachdem ich sie (aus)sortiert hatte, blieben eine Handvoll übrig, auf die ich mich bewarb. Vier postalische Bewerbungen, zwei Dutzend per Email oder Online-Formular. Meine Gehaltsvorstellung gab ich größtenteils mit 36.000 € p.a. ((36.000 € p.a. brutto. Ein Durchschnittswert basierend auf Statistiken, Vorschlägen von Kommilitonen (40T) sowie Einstiegsgehältern derselben ( > 50T). Ich vergaß leider die Einstiegsgehälter anderer K. (24T). )) an.

Enttäuschung

Schnell machte sich Ernüchterung breit, denn entgegen den Erwartungen von mir, meiner Familie und meinen Kommilitonen, rissen sich nicht gleich alle angeschriebenen Firmen um mich. Warten auf Reaktionen. Das Bangen begann: sollte ich etwa so enden, wie Kommilitonen anderer Studiengänge, oder gar wie jemand ganz ohne Ausbildung?

Sollte ich die Reaktionen in Prozente fassen, so schätze ich folgendes: 10% meldeten sich nach Tagen, 30% nach Wochen, 40% nach Monaten, 30% meldeten sich garnicht. Von den Rückmeldungen waren ca. 80% Absagen und 20% Einladungen zum Bewerbungsgespräch.

Auch meine Betreuerin beim Arbeitsamt, eine überaus freundliche und hilfsbereite Frau Dr., konnte sich das Ganze kaum erklären. Meine Anschreiben und der Lebenslauf waren im Grunde tadellos. Einzig bei der Gehaltsvorstellung riet sie mir zu einer Änderung:

Anhand eines relativ aktuellen Spiegel-Artikels empfahl sie mir (mit den Worten “um erstmal überhaupt einen Job zu finden und Berufserfahrung zu sammeln”) für die Region Ost die Zahlen 24.000-27.000 €/p.a. (Der Artikel gab für Berufsanfänger der Informatik-Branche für Gesamtdeutschland ein durchschnittliches Ersteinkommen von 29.xxx €/p.a. an).

Erklärungsversuche

Was waren die Gründe für meine erfolglosen Bewerbungen? Nachfolgend eine unsortierte Ansammlung möglicher Antworten/Annahmen/Thesen/Behauptungen:

  • Im Osten gibt es eher wenig Jobs in der IT- ((zu dieser Zeit bewarb ich mich durchaus u.a. auch für reine Informatik-/Java-/Software-Entwickler-Stellen…)) & Web-Branche.
  • Ich habe mit 15 Semestern einfach zu lange studiert (Regelstudienzeit: 10 Semester).
  • Überzogene Naive Gehaltsvorstellungen.
  • Breites Wissen und Interesse, anstatt tiefgründige und exakt passende Kenntnisse.
  • Keine Berufserfahrung.
  • Ich bin eine Frau (im gebärfähigen Alter).
  • Ein Computervisualist geht weder als richtiger Ingenieur, noch als Informatiker durch.
  • Durch das Studium bin ich überqualifiziert für ein bisschen Webentwicklung.

Übrigens, vom gefühlten Mangel an IT’lern und Ingenieuren schreibt u.a. dieser Heise c’t-Artikel von ca Mitte letztem Jahr. Interessant an diesem Artikel fand ich die Gegenüberstellung der Zahlen arbeitslos gemeldeter IT-Fachkräfte mit denen der gemeldeten offenen Stellen…

Umzug

Es begab sich, dass Andreas – mitten in meiner Bewerbungsphase – von der Arbeitsagentur ein Jobangebot in Hannover erhielt. Obwohl er lieber den Ausgang meiner Jobsuche abgewartet hätte, bewarb er sich für die Stelle, die ihm inhaltlich auch gut gefiel. Wie es der Zufall wollte, erhielt er umgehend eine Zusage und sollte am 1. Juni anfangen.

So pendelte er täglich morgens und abends mit dem Zug zwischen Hannover und Magdeburg hin und her. Dies erwies sich bereits binnen weniger Tage als unsagbare Belastung für uns beide. Also entschlossen wir uns spontan, zusammen nach Hannover zu ziehen. Bereits einen Monat nach seinem Jobbeginn hatten wir dann unsere jetzige Wohnung.

Warum ich gleich mitgezogen bin, hatte verschiedene Gründe: Ich freute mich auf eine größere Wohnung. Eine Wohnung war kostengünstiger als zwei. Ich wollte die Vergangenheit zurücklassen. Und natürlich erhoffte ich irgendwie auch eine bessere berufliche Perspektive.

Chance

Seit Juli 2007 hatten wir die Wohnung. Bis der Umzug des Hausrats erledigt, die alten Bleiben abgestoßen und die Neue eingerichtet war, verging noch ein wenig Zeit. Mitten in diesen ca 2 Monaten fand ich auf XING ((XING: Online Plattform für Geschäftskontakte und Jobsuche, sehr empfehlenswert)) eine Anzeige für ein vergütetes Praktikum, das mich sehr ansprach.

In dieser Zeit war mein Alltag von Langeweile geprägt. Die Umzugskisten konnte ich schnell nicht mehr sehen, die Begeisterung für Umzug und Einrichtung war ebenso schnell verflogen. Und das Geld wurde knapp. Ich brauchte einen Job. Möglichst einen, der mir auch gefiel.

Im September bewarb ich mich für das Praktikum. Warum? Die Aufgaben klangen sehr interessant, eine Praktikumsvergütung ist allemal besser als gar kein Einkommen und die Berufserfahrung konnte ich auch gut gebrauchen.

Wie schon mehrfach erwähnt: in die reine Java-/Software-Entwicklung wollte ich nicht. Das Praktikum war eine Gelegenheit, um den Umstieg von dem Teil der Informatik, auf den mich das Studium vorbereitet hat, rüber auf den Teil der IT-Branche zu wagen, der mir auch gefiel, für den ich aber zu dem Zeitpunkt kaum ausreichende Kenntnisse vorweisen konnte.