Dipl.-Ing. für CV – Teil 2 – Studium und Hintergrund
08.02.2008
Für alle, die schon sehnsüchtig darauf gewartet haben, folgt hier nun die Fortsetzung der vierteiligen Beitragsserie….
Teil 1: Einleitung
Teil 2: Studium und Hintergrund
Teil 3: Studienabschluss und Jobsuche
Teil 4: Praktikum und Perspektiven

Schulabschluss, und nun?
Nach dem Abitur hätte ich am liebsten erstmal ein wenig Leerlauf (Urlaub, FSJ, o.ä.) gehabt, dies wurde aber von Elternseite verhindert. Also wie sollte es weiter gehen? Ich hatte kaum spezielle Berufswünsche, von den Angeboten in der Berufsberatung sprach mich eigentlich fast alles gleichermaßen an (aber umgeworfen hat mich davon nichts).
Zunächst bewarb ich mich für eine Ausbildung bei einer Krankenkasse. Die konkrete Berufsbezeichnung habe ich längst vergessen. Ich wurde zu einem Einstellungstest eingeladen, in dem ich sehr gut abschnitt, weil viele Sachen gefragt wurden, die wir kurz zuvor in der Schule im Fach „Wirtschaft & Recht“ hatten. Danach sollte ein Assessmentcenter folgen.
Mittendrin drängte mich mein Vater zum Studium. Später kannst du immer noch was anderes machen hiess es. So einfach ist das jedoch nicht ((Nach einem Studium ist man meist zu alt für eine Ausbildung, und zu intellektuell um nochmal die Schulbank zu drücken. Studenten, die sich NACH einer Ausbildung für ein Studium entscheiden, ziehen selbiges wesentlich motivierter, zügiger und geradliniger durch, sind dabei erfolgreicher und wissen genau, was sie erreichen wollen! Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte es auch so herum gemacht.)), aber das wusste ich damals nicht. Enttäuscht sagte ich der Krankenkasse ab.
Welches Studium?
Ich interessierte mich für Vieles und Verschiedenes. Damals waren, wenn ich mich richtig erinnere, Design/Kunst, Informatik und Geologie/Mineralogie meine Favoriten.
Reine Informatik wurde in Jena, meinem Heimatort, noch nicht angeboten (kam ca 1 Jahr später!). In umliegenden Städten sprachen mich die techniklastigen Informatikstudiengänge irgendwie nicht so recht an.
An Mediendesign (o.ä.) in Weimar scheiterte ich kläglichst am Bewerbungstest. Heute sähe das wohl anders aus. Andere Designstudiengänge sprachen mich ebenfalls nicht so recht an.
Mineralogie erforderte zuviel Chemie und Physik, ich hatte diese Fächer in der Schule nicht umsonst frühzeitig abgewählt. Ich sollte unbedingt studieren! Was blieb also übrig?
Computervisualistik
Irgendwie fiel mir dann CV in Magdeburg auf. Auf den ersten Blick schien es wie eine Kombination aus Design und Informatik, also wie für mich gemacht! Es gab keinen NC, keinen Einstellungstest, oder ähnliche Hürden. Der Studiengang war damals erst 3 Jahre zuvor gegründet wurden, klang neu und sehr interessant. Die Entscheidung war gefallen.
Zwar warnten gleich zu Beginn alle möglichen Profs, dass dies eben kein Design- sondern ein Ingenieursstudiengang ist und dass man rechtzeitig wechseln solle, wenn man solch einen erwartet hat (und davon gab es in der Tat wirklich sehr viele). Nun, ich hatte nichts Konkretes erwartet und so hiess meine Devise Nicht der Beginn, sondern einzig und allein das Durchhalten wird belohnt.
Grundstudium
In den ersten zwei Semestern fühlte ich mich vor allem von Mathe, „Algorithmen & Datenstrukturen“ und theoretischer Informatik überfordert. Ich versiebte massiv die Klausuren, weil ich den Stoff einfach nicht verstanden habe (siehe auch hier).
Im 3.+4. Semester wiederholte ich Mathe erstmal bei einem anderen Prof und das half! Die informatische Grundlagenvorlesung wiederholte ich ebenso erfolgreich. Theoretische Informatik (algorithmische Geometrie) brachte mich bis zum Nachgespräch ((Nach versemmelter schriftlicher Prüfung darf man sie noch einmal schriftlich wiederholen. Danach gab es noch die mündliche Wiederholung (allerdings nicht pro Fach, sondern genau eine pro Grundstudium, und diese musste formal beantragt werden), und wenn man auch daran scheitert, wäre das Studium zuende. Gelegentlich war es üblich, zwischen schriftliche und mündliche Wiederholung noch ein „Nachgespräch“ einzufügen, wo man beweisen durfte, ob man den Stoff aus der Wiederholungsklausur nun doch beherrscht.)). Dafür lernte ich wie besessen und bestand. Es war das letzte Fach, in dem ich wiederholen musste.
Ich wurschtelte mich dann so durch, aber versäumte leider mich fachlich zu spezialisieren. Apropos Spezialisierung. Mit Computergraphik und Bildverarbeitung ((man beachte den Unterschied zwischen Bild-VER-arbeitung und Bild-BE-arbeitung)) stand ich sofort auf Kriegsfuss: zuviel Mathe, zu abstrakt. Ich verstand es zwar, Freude hatte ich daran aber keine.
Hauptstudium
Ab dem Praktikum, über Programmierjobs, bis zur Diplomarbeit, verstärkte sich meine Erkenntnis, dass reine Softwareentwicklung nicht unbedingt etwas ist, das ich zeitlebens machen möchte: Ich mag es vielseitig, komplex, interdisziplinär, abwechslungsreich.
Eine reine CV-Karriere schloß ich schnell aus. Aber welche Alternativen blieben mir mit diesem Studiengang eigentlich? Monatelang NUR Java programmieren, tief in abstrakten Code abtauchen, und Ergebnisse nicht sofort sehen können, klang wenig reizvoll für mich.
Psychologie fand ich zunehmend spannend. Aber den Studiengang wechseln, abbrechen? Dafür war ich meiner Meinung nach zu weit gekommen, das wollte ich erstmal erfolgreich beenden. Und es war mir auch zuviel Zeit verstrichen, um noch ein Zweitstudium anzuhängen.
Es war nicht leicht für mich, ein Diplomthema zu finden: unspezialisiert, breites Interesse ja – tiefe Vorkenntnisse nein, vorwiegend Wissen was man nicht machen möchte. Am Ende hatte ich aber dennoch eine kleine Themenauswahl. Und meine Entscheidung erwies sich als ein wirklich sehr spannendes Thema, dessen Forschungsarbeit mir großen Spass bereitete.